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Von der Anamnese bis zur Aufklärung – mit InformME digital, komfortabel, & datenschutzkonform

InformMe GmbH
InformMe GmbH

Lieber Herr Dr. Gawlitza, stellen Sie sich und Ihr Team gerne zunächst vor.

Vielen Dank erst mal für die Einladung zu dem Interview. 😊 Mein Name ist Joshua Gawlitza, von Haus aus bin ich eigentlich Radiologe, habe aber vor ca. eineinhalb Jahren die Firma InformMe GmbH gegründet, um endlich vom Papier in der Medizin weg zu kommen. Auch wenn ich neben der Klinik immer recht viel wissenschaftlich tätig war, hat mich der Gedanke, etwas Längerfristiges aufzubauen, nie richtig losgelassen. Und über die Tätigkeit an unterschiedlichen Häusern und den pain point „Papier im Alltag“ kam dann eins zum anderen.

Glücklicherweise war ich bei dem Schritt nicht allein, denn gegründet habe ich die Firma zusammen mit Prof. Dr. Thomas Henzler, einem langjährigen Weggefährten, mit dem ich schon an der Uniklinik in Mannheim zusammengearbeitet hatte, Jonas Eicher, dem wie ich immer sage „besten Coder Münchens“ und Sebastian Dieterle, einem Finanzexperten aus der Radiologie, der sich glücklicherweise um die betriebswirtschaftlichen Themen kümmert.

Ich schätze mich wirklich sehr glücklich, mittlerweile auch ein motiviertes und kompetentes Team in InformMe aufgebaut zu haben. Neben zwei Developern haben wir auch noch einen Werkstudenten und eine Vertriebsexpertin an Bord. Zwei weitere Stellen sind ausgeschrieben – insofern geht es voran. 😉 

 

 

Was macht ihr Start-up Unternehmen und welches Problem wird durch Ihr Produkt gelöst?

InformMe hat sich auf genau eine Sache spezialisiert: die digitale Patientenkommunikation, von der Anamnese über Aufklärungsbögen bis hin zu Sonderleistungen der Praxis. Mein Mitgründer Thomas und ich waren schon an einigen Einrichtungen tätig und kennen sowohl die stationäre als auch ambulante Medizin sehr gut. Jeder Standort hat andere Stärken und Schwächen. Aber eins ist uns flächendeckend aufgefallen: Die Aufklärung läuft quasi überall schlecht ab. Entweder es herrscht absolutes Zettelchaos und Papier fliegt durch die Abteilung, während die Drucker an der Anmeldung auf Hochtouren laufen und den halben Regenwald verarbeiten, oder es werden teure Bögen von Medizinverlagen eingekauft. Beide Lösungen sind sowohl finanziell als auch vom Workflow her ein absolutes Desaster. Zwar gibt es bereits digitale Lösungen für z. B. Patientenaufklärung, aber spätestens mit der Coronapandemie wurde auch klar, dass diese oft tabletbasierten Lösungen auch keine Alternative sind – anstatt Papier werden einfach Tablets durch die Praxis getragen, müssen desinfiziert werden, gehen kaputt etc. Und für den Workflow ist es dadurch auch ein absoluter Killer.

 

Mit der InformMe Digitalplattform kann man auf beides verzichten: Papier und Tablets. Die Patienten nutzen einfach ihr eigenes Smartphone, um alle Formulare auszufüllen oder machen es sogar schon von zu Hause –  ganz ohne Installation von irgendwelchen Apps. Abgespeichert wird das ganze im RIS über eine vollintegrierte Schnittstelle.

Ein weiteres Problem ist die zunehmende Sprachvielfalt in den Gesundheitseinrichtungen. Ich saß selbst schon mit meinem Handy bei Patienten und habe ihnen versucht, die CT-Untersuchung in einer Fremdsprache zu erklären. Mit InformMe ist das jetzt endlich vorbei. Aktuell bieten wir sieben unterschiedliche Sprachen für alle gängigen radiologischen Modalitäten auf der Basis von rechtlich geprüften Aufklärungsbögen. Füllt dann z. B. eine Patienten einen Bogen auf Türkisch aus, erscheint er auf Deutsch im System – da freut sich nicht nur der Arzt, sondern auch der Patient, weil beide jetzt wissen, worum es geht.

 

Außerdem haben wir gemeinsam mit dem Institut für Leichte Sprache die Standardmodalitäten auch in Leichte Sprache übersetzen lassen. Das hilft nicht nur Patienten mit geistigen Einschränkungen besser zu verstehen, worum es bei der Untersuchung geht, sondern macht die InformMe Plattform auch in einigen Städten als Maßnahme zur Inklusion für unsere Kunden förderfähig und damit bei der Installation kostenneutral.

 

Was genau hebt Ihr Produkt von anderen vergleichbaren Produkten im Markt ab und was ist Ihr Background dazu?

Ein riesiger Vorteil der InformMe Plattform ist die Nutzung des eigenen Smartphones. Das ist nicht nur hygienischer und für den Workflow deutlich besser, sondern ermöglicht auch den technischen Zugang für ältere Patienten. Denn was wir bei unseren Kunden gesehen haben, ist das viele Ältere wahnsinnige Schwierigkeiten haben, sobald sie ein neues Device in die Hand gedrückt bekommen, z. B. ein iPad zum Ausfüllen der Aufklärungsbögen. Wenn sie aber ihr eigenes, gewohntes, vielleicht auch schon etwas älteres Smartphone nutzen, ist das überhaupt kein Problem. Und mit QR-Codes sind seit Corona ja „zum Glück“ auch alle Altersklassen vertraut. Unterschrieben werden die Aufklärungsbögen hierbei direkt ISO-konform am eigenen Smartphone. Alternativ können die Bögen natürlich direkt von zu Hause aus z. B. nach einer Online-Terminvergabe ausgefüllt werden, um die Wartezeit in der Praxis noch weiter zu verkürzen.

 

Um ihren Patienten auch die richtigen Inhalte bieten zu können, haben wir ein einfach zu bedienendes Content Management System entworfen. Jede Praxis, jede Klinik hat ihre eigenen Ansprüche für Anamnese, Aufklärungsbögen oder sonstige Inhalte und oft verändern sich Informationen über die Zeit, neue Geräte werden an- und alte abgeschafft. Mit dem InformMe Content Management System hat man seine Inhalte selbst in der Hand und ist unabhängig von uns. Damit kann man ganz bequem eigene Inhalte einfügen, komplett neue Bögen bearbeiten oder entfernen – ganz ohne lästige Einmalkosten, wie es sonst üblich ist.

Ein weiterer großer Vorteil von InformMe liegt etwas in unseren eigenen Werdegängen. Denn so nervig und teuer Papier auch sein mag, es erfüllt in vielen Praxen und Kliniken einen wichtigen Zweck im Workflow. Sind Patienten fertig mit Ausfüllen, werden die Bögen abgegeben und das Personal weiß „es kann im Prozess weitergehen“ und bringt z. B. die Patienten ans Gerät. Aus dem Grund haben wir das digitale Wartezimmer entwickelt. Eine Ansicht, bei der man alle Patienten live im Blick hat und die man einfach im Browser als Website öffnen kann – so als würde man jedem beim Ausfüllen des Zettels zuschauen.

Um nicht überflutet zu werden, sieht man nicht alle Angaben, sondern es erscheint bei problematischen Antworten ein kleines Symbol neben den Patienten. Damit kann man dann in Echtzeit z. B. sehen, falls eine Patientin angibt, schwanger zu sein oder jemand einen Schrittmacher vor einer MRT-Untersuchung hat. So kann man direkt seine Untersuchungen besser planen, Risikopatienten frühzeitig identifizieren und unvorhergesehene Ereignisse reduzieren. Und das ganz ohne Papier.

 

Zu guter Letzt haben wir noch ein IGeL- und Informations-Modul entwickelt. Hier kann man interessante Informationen oder Leistungen direkt an die Patienten ausspielen, nachdem die Bögen fertig ausgefüllt wurden. Von Informationen über anstehende Sanierungsarbeiten bis zur Bewerbung von z. B. KI-basierten Analysen ist hier alles möglich.

 

Welche Veränderungen sind in der nahen Zukunft bei Ihrem Produkt außerdem zu erwarten?

Wir sind ständig mit unseren Kunden im Austausch und haben viele Funktionen in unserer Entwicklungspipeline. Ein großes Thema ist aktuell die tiefere Integration und Automatisierung in die Arbeitsabläufe und noch mehr Komfort für die Patienten. So wollen wir z. B. zeitnah die Möglichkeit geben, dass Patienten, die öfters Untersuchungen bekommen, nicht immer wieder dieselben Fragen beantworten müssen, sondern nur gefragt werden, ob sich etwas seit dem letzten Besuch geändert hat.

Außerdem haben wir bereits ein proof-of–concept, um Informationen an die Patientenhandys zu senden – in Echtzeit ohne Angabe einer E-Mail-Adresse, Telefonnummer oder Ähnlichem. Das könnte besonders interessant sein, wenn man z. B. Informationen über einen fertiggestellten Befund raussenden möchte. Aber zu viel will ich da noch nicht verraten.

Auch das Thema Sprachintegration und Angebot wird sicherlich im Laufe der zweiten Jahreshälfte noch eine deutlich größere Rolle spielen.

 

Was waren bisher Ihre größten Herausforderungen?

Als Firma oder für mich? 😅 Als Firma war der Kampf mit den RIS-Herstellern sicherlich eine der großen Herausforderungen. Ich will hier keine konkreten Firmen nennen, aber ich glaube, jeder aus der Radiologie weiß, wovon ich spreche. Denn wenn man als kleines Start-up bei Riesen anklopft, wird man oft erst mal nicht ernst genommen bzw. landet in der Prioritätenliste irgendwo ganz weit hinten. Glücklicherweise sind wir mittlerweile ein bisschen etablierter und können quasi zu allen Systemen Schnittstellen anbieten und binnen kürzester Zeit unser System installieren. Doch es gab auch sehr positive Erfahrungen aus der eingangs harten Zusammenarbeit. Denn mit einigen RIS-Anbietern konnten wir sogar eine tiefe Integration ermöglichen, die den Nutzern noch deutlich mehr Vorteile in den kommenden Monaten bieten wird.

 

Was immer wieder eine Herausforderung aufs Neue ist, ist das gesamte Praxis- und Klinikpersonal an Bord zu bringen. Denn bevor unser System installiert wird, haben wir oft Kontakt mit der Praxisleitung, den Praxismanagern, leitenden MTRAs oder auch der Leitung der Anmeldung, die von unsrem Konzept begeistert sind und sich dafür entscheiden. Das spannende an der Patientenkommunikation ist aber, dass es wirklich alle betrifft. Und da muss man manchmal dann auch etwas Überzeugungsarbeit am Röntgenarbeitsplatz leisten, dass die Aufklärungs- und Anamnesebögen jetzt digital sind. Aber glücklicherweise hat das bis jetzt noch immer geklappt.

 

Gibt es bereits Erfahrungswerte oder Feedback von Nutzern?

Ja, das gibt es. Wir können uns glücklich schätzen, schon einige Kunden gewonnen zu haben – von NRW bis BAYERN und jetzt auch bald in der Schweiz. Lustigerweise haben wir in manchen Praxen, in denen die oben erwähnte Überzeugungsarbeit notwendig war, oft nach einigen Monaten der Nutzung das beste Feedback! Insgesamt haben wir bis jetzt sehr positive Rückmeldung bekommen und einer unserer Kunden sogar eine positive Bewertung auf Google dank unseres Systems, in welchem die Fortschrittlichkeit der Praxis gelobt wurde. Das haben wir im Übrigen nicht gesponsort, nur um das zu erwähnen. 😉

Aber wir konnten tatsächlich auch schon wahnsinnig viel von unseren Kunden lernen, versuchen offen zu bleiben und so viele der individuellen Wünsche, so gut es geht, langfristig in unser Produkt einzubauen. Dank des Feedbacks eines unserer Kunden haben wir z. B. jetzt auch individualisierte QR-Codes, welche für den Patienten schon die richtige Untersuchung auswählen und Namen, Geburtsdatum etc. schon vor ausfüllen.

Von einigen Kunden bekommen wir jetzt nach den Jahresabschlüssen auch das erste Feedback, das sich die InformMe Plattform finanziell genutzt hat, da die Papier- und Papierpreiserhöhungen von knapp 30 % letztes Jahr natürlich ein großes Plus für uns.

 

Was macht Sie und Ihr Team darüber hinaus besonders?

Wir haben eine bunte Mischung an motivierten, smarten und innovativ denkenden Menschen zusammengetragen, die gemeinsam die Medizinlandschaft etwas angenehmer und zeitgemäßer für alle gestalten wollen. Ich bin stolz auf mein Team und dankbar für jeden. Von der Nationalität reichen wir von Finnland über Deutschland, die Ukraine bis in die Türkei und alle kommen in unserem Münchner Büro zusammen, um an einem Projekt zu arbeiten.

Ich glaube, neben dieser Vielfalt, die auf jeden Fall ein Gewinn für unser Projekt ist, kennen wir die Medizinwelt einfach sehr gut. Das ist ein großer Vorteil: InformMe ist aus einem realen Problem, dass wir am eigenen Leib erfahren haben, entstanden. Und ich glaube, dass wir dadurch auch die Probleme, Anforderungen und Herausforderungen unserer Kunden sehr gut verstehen können.

 

Was wünschen Sie und Ihr Team sich für die Zukunft?

Wir hoffen sehr, dass Deutschland bald vielleicht auch ein Stück durch uns, etwas digitaler wird. Denn noch zu oft hören wir: „Das haben wir schon immer so gemacht“. Gefühlt macht sich so langsam ein kleiner Aufbruch in der Medizin breit und die Leute sind breiter, sich auch innovative Technologien einzulassen. Wir hoffen sehr, dass wir einen echten Mehrwert als Produkt geschaffen haben, der diese Umstellung für alle etwas leichter und angenehmer macht.

Ich selbst freue mich einfach auf die weitere Reise mit InformMe und was uns noch alles erwarten wird.

 

Ein Interview mit PD. Dr. Joshua Gawlitza