Versorgung bei Kontrastmittel Hypersensitivität: Was die ESUR 2025 empfiehlt

Lesedauer: 5 min

Versorgung bei Kontrastmittel Hypersensitivität: Was die ESUR 2025 empfiehlt

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Risiken im Blick: Wie häufig sind Kontrastmittelreaktionen?

Am 27. Mai dieses Jahres hat das Komitee für Kontrastmittelsicherheit der European Society of Urogenital Radiology (ESUR) seine aktualisierten Empfehlungen zum Umgang mit Überempfindlichkeitsreaktionen nach intravenöser oder intraarterieller Kontrastmittelgabe veröffentlicht. Die Aktualisierung liegt derzeit als Open-Access-Review in zwei separaten Artikeln vor.

Während der erste Teil die Betreuung Erwachsener bei sofortigen und verspäteten Reaktionen systematisiert, bündelt der zweite evidenzbasierte Ansätze zur Prävention wiederkehrender Überempfindlichkeitsreaktionen.

Das Review stellt fest, dass Überempfindlichkeitsreaktionen am häufigsten nach der Anwendung jodhaltiger Kontrastmittel und am seltensten nach der Gabe von Ultraschall-Kontrastmitteln auftreten würden. Zudem habe die Häufigkeit von Überempfindlichkeitsreaktionen vom Sofort-Typ durch die Einführung von niedrig-osmolaren und isoosmolaren iodhaltigen Kontrastmitteln sowie den Einsatz geringerer durchschnittlicher Kontrastmitteldosen deutlich abgenommen.

Hier werden im Artikel Wahrscheinlichkeiten 0,15 bis 0,69 % für eine allgemeine Überempfindlichkeitsreaktion nach Gabe von jodhaltigem Kontrastmittel genannt; schwere Reaktionen träten in etwa 0,005 bis 0,013 % der Fälle auf.

Betont wird hierbei, dass – wenn auch verzögert und mit deutlich geringerer Häufigkeit – schwerwiegende Reaktionen auch bei nichtvaskulärer applikation möglich sind. Faktoren seien hierbei Integrität und Zustand des Endothels desjenigen Kompartiments, in das das Kontrastmittel verabreicht wird.

Die zu ergreifenden Maßnahmen im Falle einer Reaktion sind in einem Algorithmus basierend auf der Einteilung des American College of Radiology (ACR) zusammengefasst worden.¹

Vorbeugen statt prämedizieren: Umgang mit Risikopatienten

Im Kontext Präventiver Maßnahmen wird die Applikation einer Prämedikation im elektiven Setting von der Kommission aufgrund fehlender Evidenz nicht mehr empfohlen. Eine Prämedikation sollte lediglich in akuten Notfallsituationen erwogen werden, wenn in der Vorgeschichte eine schwere Überempfindlichkeitsreaktion auf ein nicht identifiziertes Kontrastmittel vorlag.

Hervorgehoben wird stattdessen die systematische Dokumentation von allergischen Zwischenfällen und allergologische Abklärung von Risikopatienten. Idealerweise sollte eine Identifizierung von auslösenden Substanzen und eruieren sicherer Alternativen durch Haut- und Provokationstests erfolgen.

Der erfahrungsbasierte Wechsel zu einem anderen Kontrastmittel sei der allergologischen Testung deutlich unterlegen. Die aktuelle Datenlage zu möglichen Kreuzreaktionen sei zu unschlüssig und die zugrundeliegenden Mechanismen zu wenig verstanden. Es wird eine Hilfestellung zur Wahl einer Alternative basierend auf einer molekularen Klassifizierung von Nicht-ionischer Jod-Kontrastmittel sowie Gadolinium-Kontrastmittel genannt, diese habe jedoch zu wenig Evidenz, sodass es hier keine Empfehlung gibt.

Sind keine allergologischen Tests verfügbar, unterstreicht die ESUR-Leitline die frühzeitige Erkennung einer Überempfindlichkeitsreaktion bzw. dessen Risikos. Es sollten verfügbare alternative Kontrastmittel in Betracht gezogen werden und man verweist auf die jeweils gültigen lokalen bzw. nationalen Empfehlungen. Zudem sei eine engmaschige Überwachung durch in der Behandlung kontrastmittelbedingter Reaktionen geschultes Personal sicherzustellen; bei Bedarf unter Einbindung eines Rapid-Response-Teams (Anästhesiologie mit entsprechender Pflegebegleitung).²

Quellen:

1.van der Molen AJ, van de Ven AAJM, Vega F, Dekkers IA, Geenen RWF, Bellin MF, et al. Hypersensitivity reactions to contrast media: Part 1. Management of immediate and non-immediate hypersensitivity reactions in adults. Updated guidelines by the ESUR Contrast Media Safety Committee. European Radiology. 2025;35:6798–6810. doi:10.1007/s00330-025-11675-1. (Zugriff am 27.10.2025)

2. van der Molen AJ, van de Ven AAJM, Vega F, Dekkers IA, Geenen RWF, Bellin MF, et al. Hypersensitivity reactions to contrast media: Part 2. Prevention of recurrent hypersensitivity reactions in adults. Updated guidelines by the ESUR Contrast Media Safety Committee. European Radiology. 2025;35:6811–6825. doi:10.1007/s00330-025-11676-0. (Zugriff am 27.10.2025)

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